Traumgondel – ein Artefakt für Earthdawn

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22 Tage lang hat uns Merimac von Artefakt zu Artefakt gescheucht, seitdem er sich am 10. August in seinem Organisationsthread über die bis dahin magere Ausbeute des Karnevals der Rollenspielblogs im Vergleich zu RPGaDay beklagte:

ArtifactaDay. Day 22.

Mit Merimac verbindet uns seit langem nicht nur unsere Liebe zu Earthdawn, sondern auch, dass wir dieser immer wieder bei den monatlichen Karnevalsthemen Ausdruck verleihen (Merimac zum Beispiel hier, hier oder hier).

Als Abschluss seines Artefakte-Karnevals wollen wir uns deshalb auch noch einmal Earthdawn zuwenden.

Ein wirklich herausragender Aspekt von Earthdawn war für mich immer die Behandlung des Wiederbelebungstopos in diesem Spiel (was wir auch schon einmal bei einem anderen Karnevalsthema nebenher angemerkt haben), und unter den verschiedenen Wiederbelebungsszenarien Earthdawns ist der Maskenball des träumenden Todes vielleicht meine liebste Variante: Ein Lebender schleicht sich auf einen von den Toten besuchten Ball, der in den Träumen des Todes abgehalten wird, um einen der Tänzer zurück ins Leben zu führen – doch wehe dem, der den Falschen demaskiert.
Es ist deshalb dieses Thema, das ich für unser Finale aufgreifen möchte.

Traumgondel

Den herannahenden Untergang vor Augen, ließen die verängstigten Bewohner von Kaer Xipil nichts unversucht, um ihr Schicksal doch noch abzuwenden.

Viele dieser Versuche zielten darauf, neue Elemetaristen zu finden, die Fähigkeiten dieser Disziplin nachzuahmen oder durch andere zu ersetzen, aber einer der letzten verzweifelten Gedanken war es, statt neuer dann eben die alten Elementaristen zurückzubringen, und sie den Klauen des so nahen, unter dem Todesmeer eingesperrten, Todes zu entreißen. Vielleicht, so wagten einige zu hoffen, könnte es ja sogar gelingen, Xipil selbst ins Leben zurück zu rufen, denn unter ihrer Führung würde das Kaer gewiß wieder zu neuer Blüte kommen.

So einfach dieser Plan auch zunächst erschienen sein mag, mit so großen Schwierigkeiten war er dennoch verbunden. Mächtig wie Kaer Xipil sein mochte, an den Meistern der Geisterbeschwörung oder der Magie, die solch eine Wiederbelebung mittels gewebter Zauber hätten zustande bringen können, mangelte es in der Zeit des Niedergangs ebenso, wie an den Elementaristen selbst.

So reifte der Plan, sich stattdessen in die Träume des Todes zu stehlen und so die ersehnte Hilfe zu erhalten. Doch auch die seltenen Materialien, die zur Anfertigung der Masken für den Traumball des Todes benötigt worden wären, gab es innerhalb des Kaers nicht. Dies aber war eine Beschränkung, die die tüchtigen magischen Handwerker von Kaer Xipil nicht anerkennen wollten.

Zunächst versuchten sie, die Masken statt aus Porzellan, aus Metall zu fertigen. Zwar gelang ihnen dies mit großer Kunstfertigkeit, doch scheiterten sie am Ende doch, denn kaum waren die hoffnungsvollen Träumer, die Masken auf den Gesichtern, eingeschlafen, erhitzten sich diese durch die Glut des Todesmeeres, unter dem sie in ihren Träumen wandelten, und verbrannten ihre Gesichter. Die Glücklichen von ihnen wachten schreiend und für immer entstellt auf, die Unglücklichen tanzen noch heute, geschwärzte Schlackemasken auf ihren von verkohlten Haaren bedeckten Schädeln, auf dem ewigen Traumball unter der feurigen See.

Welcher Schmied es letztendlich war, der die erste Traumgondel schmiedete, und was ihn zu diesem Einfall inspirierte, ist wie so vieles mit dem Untergang von Kaer Xipil verloren gegangen. Sicher ist, dass auch seine Konstruktion das Kaer nicht zu retten vermochte. Sicher ist allerdings auch, dass er mit ihr einen weiteren Weg in die Träume des Todes öffnete.

Eine Traumgondel ist ein schlankes, flaches Boot, aus Eisen geschmiedet und mit wahrer Erde und wahrem Feuer durchwirkt, die seinen Rumpf vor den Gewalten der Flammen schützen, und es so ermöglichen, mit ihm auch durch Lava und sogar über das Todesmeer selbst zu fahren.
Ihre wirkliche Macht zeigt die Gondel allerdings erst, wenn sich ein Namensgeber in ihr, auf einem Strom aus Lava treibend, schlafen legt. Wenn der Tod zu dieser Zeit ebenfalls schläft, so kann er die Gondel im Traum steuern und wird mit ihr an einer Kaimauer anlangen, auf die hinaus die Gäste des Maskenballes strömen, der in den hell erleuchteten Traumpalästen des Todes hinter ihr gefeiert wird.
Ganz so, als würde er eine der Totenballmasken verwenden, die für eine solche Traumreise bekannter sind, kann der Schläfer nun versuchen, einen der Ballgäste mit zurück an das weit entfernte Ufer des Lebens zu bringen.
Außer allen Gefahren, die mit jedem solchen Besuch in den Träumen des Todes verbunden sind, birgt die Fahrt in der Traumgondel allerdings noch weitere Risiken. Jede Erschütterung und Belastung, die sie im Traum erfährt, wird auch das Boot in der wachen Welt heimsuchen, und das schlanke Boot kann höchstens zwei Namensgeber tragen. Die nach neuem Leben lechzenden Toten nehmen weder auf das eine noch das andere unbedingt Rücksicht, und insbesondere die Opfer der geschmiedeten Totenmasken von Kaer Xipil sehen mit unverhohlenem Hass auf jeden, der dieses Gefährt benutzt, das ihnen ihre Qualen hätte ersparen können, wenn es nur früher fertiggestellt worden wäre.

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